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Renaturierung

Mineralische Rohstoffe –
sinnvoll und ressourcenschonend nutzen

Kies, Sand und Naturstein sind weltweit die derzeit mengenmäßig wichtigsten Rohstoffe. Natürliche mineralische Rohstoffe bilden unter den jetzigen Verhältnissen eine wichtige Grundlage für die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Ein geordneter Rohstoffabbau zur Deckung der notwendigen regionalen und überregionalen Bedürfnisse an Baustoffen ist deshalb zu gewährleisten.
Der Abbau von Rohstoffen greift nachhaltig in den Landschaftshaushalt ein und verändert diesen. Zahlreiche Eingriffe des Rohstoffabbaus in Wasserhaushalt, Boden, Vegetation und Tierwelt können zwar nicht kurzfristig, aber insbesondere bei Trockenabbau mittel- oder langfristig wieder ausgeglichen werden. Beim Nassabbau sind Eingriffe teilweise nicht wieder rückgängig zu machen.
Einerseits weisen landesweit viele still gelegte Abbaustätten einen hohen Naturschutzwert auf. Andererseits ist der Wert für den Arten- und Biotopschutz an zahlreiche Baggerseen vor allem durch intensive Freizeitnutzung gering. Entscheidend für den Naturschutzwert ist daher vor allem die Art der Folgenutzung. Rekultivierungen weisen im Gegensatz zu Renaturierung oft einen vergleichsweise geringen Naturschutzwert auf.

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Renaturierung und Rekultivierung – immer mit Rücksicht auf die Natur

Forschungsergebnisse belegen, dass auch viele im Abbau befindliche Gewinnungsstätten in der Regel einen hohen Wert für den Arten- und Biotopschutz haben. Die in Abbaustätten entstehenden Rohbodenstandorte können von einer Vielzahl seltener Pionierarten besiedelt werden. Je nach Ausgangssubstrat bleiben die Pionierstandorte unterschiedlich lange erhalten, da auch auf diesen Standorten die natürliche Sukzession abläuft, die in unseren Breitengraden in der Regel eine natürliche Wiederbewaldung zur Folge hat. Die einzelnen Sukzessionsstadien beinhalten eine jeweils typische Artenzusammensetzung. Sollen Pionierstandorte dauerhaft erhalten bleiben, sind Pflegemaßnahmen früher oder später unabdingbar. Sukzession in Abbaustätten ist unter Prozessschutzgesichtspunkten durchaus zu begrüßen. Die Vorkommen seltener Arten und Biotope in Abbaustätten dürfen nicht über die grundsätzliche Problematik des Abbaus in besonders wertvollen Biotopen und auf Auenstandorten hinweg täuschen.
Bei forstlichen Rekultivierungen sind Sukzessionsflächen und Vorwaldbegrünungen häufig besser als aufwendige technische Waldbaumassnahmen mit zweifelhaftem Erfolg. Neben der forstlichen Rekultivierung muss auch in erheblichem Umfang die Renaturierung im Sinne der Vermehrung von Waldbiotopen möglich sein.
Bei landwirtschaftlichen Rekultivierungen ist darauf zu achten, dass das Ertragspotenzial der Böden möglichst wieder hergestellt wird. Gleichzeitig  sollen durch geeignete regionaltypische Maßnahmen vielfältige Strukturen (z.B. Hecken, Lesesteinhaufen, Streuobstwiesen) den Charakter der Landschaft wieder verbessern.
Negative Auswirkungen der Rohstoffgewinnung auf die Grundwasserqualität sind nicht bekannt. Dennoch ist sich die Steine- und Erdenindustrie bewusst, dass die Freilegung des Grundwassers permanentes Gefahrenpotential durch Verunreinigungen bedeutet.

Behutsamer Abbau sichert Rohstoffressourcen künftiger Generationen

Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro hat der Begriff der nachhaltigen Entwicklung weltweite Bedeutung erlangt. Der Leitgedanke der Nachhaltigkeit ist die Integration von Ökonomie, Ökologie und sozialen und entwicklungspolitischen Aspekten. Als nachhaltig gilt eine Entwicklung dann, wenn sie auf Dauer angelegt ist und den nachfolgenden Generationen vergleichbare Nutzungsmöglichkeiten hinterlässt.
Der Anteil an Rohstoffabbauflächen liegt in Baden-Württemberg bei 0,2 % der Landesfläche. Infolge einer historisch und geologisch bedingten Konzentration von Abbaustätten sind in Ausnahmefällen bis zu 15 % der Fläche abgebaut. Baden-Württemberg verfügt – geologisch gesehen – über einen sehr großen Vorrat an abbaubaren Rohstoffen, die jedoch zu einem großen Teil aufgrund anderer Nutzungen nicht verfügbar sind. Dennoch wird bei endlichen Ressourcen, wie z.B. den mineralischen Rohstoffvorkommen, der Vorrat auf jeden Fall kleiner. Nachhaltigkeit kann nur bedeuten, die begrenzten Vorräte so lange wie möglich zu strecken und damit Raum für technische Fortschritte und alternative Lösungen zu schaffen. Der Rohstoffabbau muss daher auf eine möglichst langfristige Nutzung ausgerichtet werden.
Die Produktion der Rohstoffindustrie ist vom Bedarf und damit hauptsächlich von der Baukonjunktur abhängig. Da sich die Rohstoffindustrie als eine Bedarfsdeckungsindustrie versteht, ist die Bedarfsentwicklung die entscheidende Frage. Der konkrete zukünftige Bedarf lässt sich jedoch nicht genau abschätzen.
Der Bedarf und damit auch das Abbauvolumen sowie die Art der nachgefragten Baustoffe und Bauweisen werden von der Bauwirtschaft, öffentlichen Auftraggebern und privaten Bauherren festgelegt. Deren Nachfrage richtet sich jedoch nach dem Preis der angebotenen Rohstoffe.
Recyclingprodukte können insgesamt den Bedarf an Primärrohstoffen reduzieren. Der Recyclinganteil ist momentan aufgrund der anfallenden Bauschutt- und Straßenaufbruchmenge auf maximal 10 % des derzeitigen Abbauvolumens beschränkt. Trotzdem ist anzustreben, wenn dies technisch und ökonomisch möglich und sinnvoll ist, Primärrohstoffe durch Recyclingprodukte zu ersetzen. Der NABU vertritt daneben die Auffassung, dass unsere derzeitigen Baustandards, Baustoffprodukte sowie Siedlungs- und Verkehrsplanung dringend der Überprüfung auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit bedürfen sowie verstärkt Ersatzstoffe, wie z.B. Holz im Hochbau, eingesetzt werden sollen.

Konflikte schon im Vorfeld vermeiden

NABU und ISTE sind sich einig, dass nur eine klare Abgrenzung der für Rohstoffabbau geeigneten Gebiete den Konflikt über den Rohstoffabbau in unserem dicht besiedelten Land lösen kann. Deshalb ist grundsätzlich eine bedarfsunabhängige Sicherung der natürlichen Rohstoffressourcen notwendig, damit künftige Generationen über die Verwendung der Rohstoffbasis entscheiden können. Diese Sicherung muss an amtlich durch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau kartierten Lagerstätten durch die Regionalverbände vorgenommen werden. Aus diesen Sicherungsbereichen sind in der Regionalplanung durch Abwägung der unterschiedlichen Belange Vorranggebiete für den Rohstoffabbau zu entwickeln und Ausschussgebiete festzulegen. Die sich ergebenden Vorrangsgebiete und Ausschlussgebiete müssen klar definiert und begründet werden.
Eine ergebnisoffene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist im gesetzlichen Rahmen für Abbauvorhaben durchzuführen. Für jedes Abbauvorhaben ist ein Landespflegerischer Begleitplan (LBP) zu erarbeiten. Die UVP sowie die LBP haben auch die Folgenutzung der abgebauten Lagerstätten einzuschließen.

Durch dezentralen Abbau Natur und Landschaft möglichst wenig belasten

Bei NABU und ISTE besteht darüber Einigkeit, dass eine dezentrale Versorgung der Bauindustrie mit Rohstoffen Transportwege minimiert. Landestypische Natursteinwerke sind gegenüber weltweiten Importen zu bevorzugen und zu fördern. Weite Transporte sind zu vermeiden und der Transport umweltschonend abzuwickeln. Dies bedeutet, dass für eine ausreichende Eigenversorgung innerhalb Baden-Württembergs gesorgt werden muss.
Für den ISTE ist es zudem eine Selbstverständlichkeit, dass der Rohstoffabbau stets so umweltschonend wie möglich, d.h. dem jeweiligen Stand der Technik entsprechend, zu erfolgen hat. Natur- und Umweltschutz haben während des Abbaus und der Folgenutzung einen hohen Stellenwert, der zukünftig noch gesteigert werden soll.
Für den NABU ist es einsichtig, dass während des Abbaus spontan entstehende Biotope den weiteren Fortgang des Abbaus und die ein der Genehmigung festgesetzte Rekultivierung in der Regel nicht stören dürfen. Allerdings ist für den ISTE deren längst mögliche Erhaltung und die kontinuierliche Schaffung neuer Pionierstandorte selbstverständlich. Renaturierung werden seitens des ISTE weiter gefördert.